Die Geschichte von Schiesstand und vom Schützenverein

Das Schiesswesen hat in der Schweiz eine historisch gewachsene Tradition. So auch in unserem Dorf. In Chroniken, alten Protokollbüchern oder alten Zeitschriften finden wir immer wieder Hinweise auf ein aktives Schiesswesen. Ein Schützenfest war ein gefeierter Grossanlass. So lesen wir über ein kantonales Schiessen auf dem Albis im Jahre 1884: «Aus allen Gegenden des Kantons erschienen die Schützen. Im Dorf war Sammlung und in imposantem Zuge wurde auf den Albis marschiert.»

Der Infanterie-Schiessverein und der Freiwillige Schiessverein prägten viele Jahre das Schiesswesen in Langnau, und in fairer Konkurrenz an den diversen Schützenfesten konnten Erfolge erzielt werden; zu Spitzenleistungen reichte es jedoch höchst selten. Mit Recht stellte man sich hüben wie drüben die Frage, ob nicht doch eine Wiedervereinigung das Richtige wäre. 1976 kam es zur Fusion der beiden Vereine. Im «Schützenverein Langnau» sind nun beide ehemaligen Konkurrenten vereint.

Ein harter Kampf

An der Gemeindeversammlung vom 25. Juni 1981 bewilligten die Langnauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit überwältigendem Mehr den Kredit von 670'000 Franken für den Neubau des Schützenhauses, die Renovation des Scheibenstandes und die Wiederherstellung des Kugelfangs. Die im Jahre 1912 erstellte Anlage hatte ausgedient.

Stand von 1912

Der Bau jener Anlage beschäftigte die Gemeindeversammlung vom 18. Juni 1911. Wir zitieren: «Lange schon war es ein schöner,Traum der Langnauer Schützen: an Stelle der alten Schiessanlage trete eine den modernen Anforderungen entsprechende Schiessanlage. Der Gemeindeschützen-Vorstand scheute weder Mühe noch Zeit, um etwas Praktisches und Preiswürdiges in Vorschlag zu bringen. Als das Beste vom Guten wurde eine Anlage nach System Schellenberg auserkoren. Es wurde darnach ein Kehrscheibenstand mit 12 Zugscheiben für die Distanz 300 Meter sowie eine Feldschiessanlage mit 6 Scheiben für 400 Meter ausersehen. Laut Kostenvoranschlag käme die ganze Anlage auf Fr. 17'000.- zu stehen, wovon die beiden Schiessvereine zusammen Fr. 1'000.- tragen würden.

Mit diesem Vorschlag glaubte der Gemeindeschützen-Vorstand guten Mutes vor die Gemeindeversammlung treten zu dürfen. Obwohl man von gewissen Seiten auf Opposition gefasst sein musste, hoffte man allgemein, der Antrag werde die Gnade der Versammlung finden. Zahlreich wie selten erschienen die Stimmberechtigten im Versammlungslokal. Auch die Schützen waren zahlreich vertreten, so dass die Hoffnung auf gutes Gelingen wuchs. Bretscher Karl referierte kurz über die Notwendigkeit der Forderung. Zur Opposition gehörte der Turnverein, der infolge Rekurs mit seiner Turnhalle vor einigen Jahren abgewiesen wurde und in kurzsichtiger Missgunst den Schiessvereinen ihre Schiessanlage nicht gönnen mochte. Die geheime Abstimmung zeigte dann auch den Erfolg der Oppositionspartei. Mit 68 gegen 62 Stimmen wurde dem Antrag des Gemeindeschützen-Vorstandes zu Grabe geläutet.» An der Gemeindeversammlung vom 18. Februar 1912 sind dann die Schützen doch noch zu ihrer Schiessanlage gekommen, mit 71 gegen 59 Stimmen wurde der Kredit für den Bau vom Souverän genehmigt.

Stand von 1982

1981 organisierten die Schützen in eigener Regie den Abbruch, damit der Neubau mit einem Abstand von 6 Metern westlich der Albisstrasse in Angriff genommen werden konnte. Zügig wurden die Bauarbeiten in der Zeit vom September 1981 bis April 1982 vorangetrieben. Es entstand eine moderne, zweckmässige Schiessanlage, ausgerüstet mit 6 konventionellen und 6 elektronischen Scheibenzügen. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Schallisolation geschenk,t und mit dem Erdwall werden die Lärmemissionen ins Neugut und den Langnauerwald abgeleitet. Im Obergeschoss des Schützenhauses entstand eine heimelige Schützenstube.

Es darf sicher erwähnt werden, dass die Schützen mit rund 1600 Frondienststunden beim Bau der Schiessanlage und insbesondere bei der Gestaltung der Schützenstube mit viel Idealismus das Ihre zum guten Gelingen des Werkes beigetragen haben.

Bereits im April 1982 konnte die neue Schiessanlage erstmals getestet werden, und am Wochenende vom 4./5. September 1982, anlässlich des traditionellen Gemeindeschiessens, überstand die Anlage den ersten Ansturm.


Aus: Langnauerpost Nummer 49, Herbst 1983